Unterwegs im „Wilden Osten“ – Aloha Alor!

Von Kalabahi aus nehmen wir eine der zweimal wöchentlich verkehrenden Fähren nach Kalabahi – unserem Tor ins Alor-Archipel. Für die ca. 265km lange Strecke braucht der alte Kahn 18 Stunden. Da die Abfahrtszeit immer ein bisschen variiert und die Schiffe manchmal auch früher den Hafen verlassen, wenn sie schnell beladen und gut gefüllt sind, machen wir uns bereits gegen 10 Uhr auf den Weg zum Schiff, welches planmäßig erst zwei Stunden später ablegen soll.

Da Edwin’s Mie Goreng das wirklich beste weit und breit ist, trägt jeder eine in Papier gehüllte Portion des fettigen Zeugs im Gepäck. Ich dachte, das Papier sei ausreichend beschichtet. War es nicht… Trotzdem ist es wirklich traurig, dass die Küche sich mit acht Portionen überfordert gefühlt hat und wir so nur vier bekommen haben. Insbesondere, da ich mich so schlecht zügeln kann und mein Abendessen schon am Nachmittag verspeisen und den anderen später hungrig zuschauen werde, wie sie ihre Nudeln verspeisen.

Aber nun erst einmal zurück zum Beginn unserer Reise! Die Fähre! Vom Autodeck aus gelangt man in den Passagierraum. Der scheint für uns Touristen aber nicht gedacht, jeder weist zur Dachluke am Ende des Raumes.

Fähre nach Kalabahi

Auf dem Dach: keine Bank, kein Schatten. Nur Sonne und der glühend heiße Stahlboden. Zum Glück verleiht ein tüchtiger Geschäftsmann -junge dünne Matten. Der Hintern ist gerettet! Doch was tun wir um nicht von oben gegart zu werden? Die Strandlaken! In kurzer Zeit steht unser Eigenheim:

Fähre nach Kalabahi

Fähre nach Kalabahi

Das kann sich übrigens in Sachen Ambiente, Beinfreiheit und vor allem Liegekomfort im Vergleich zum typischen Nachtquartier im Passagierraum wirklich sehen lassen:

Fähre nach Kalabahi

Der Geruch dort unten ist gegen Ende der Reise unerträglich und als wir das Schiff verlassen, stapfen wir durch ein Wirrwarr aus undefinierbaren, klebrigen Flüssigkeiten und Plastikmüll.

Fähre nach Kalabahi

Wir verbringen dagegen die Nacht unter einem grandiosen Sternenhimmel und genießen Sonnenauf- und -untergang mit frischer Brise um die Nasen.

Fähre nach Kalabahi

Fähre nach Kalabahi

Fähre nach Kalabahi

Wieder an Land nutzen wir Kalabahi als Basis für unsere Erkundungstouren. Wir finden zwei Roller und machen uns als erstes auf den Weg, den nord-westlich gelegenen Teil der Insel zu erkunden.

Kalabahi Alor

Diese Kuh muss zusehen, wie die Reste ihres Artgenossen in der Sonne trocknen…

Kalabahi Alor

Kalabahi Alor

Kalabahi Alor

Die Straßen werden zu Pfaden und wir passieren Gebiete, in die sich wohl noch kein Auto veriiren konnte.

Kalabahi Alor

Dementsprechend sinkt auch die Dichte an kleinen Kiosken auf Null und selbst im größten Dorf an der Nordspitze können wir nichts Essbares auftreiben. Was essen die Einheimischen hier? Sicher Reis! Mit knurrendem Magen fragen wir an ein paar Hütten nach etwas Reis. Leider erfolglos. Wovon ernährt man sich denn hier? Nudeln können es auch nicht sein, danach haben wir gefragt. Denken wir zumindest – wir sind uns nicht sicher, ob unser Bahasa Indonesia hier verstanden wird, da viele nur eine der vielen lokalen Papua-Sprachen sprechen... Manche der unzähligen Kinder lutschen an Mangos. Und tatsächlich: an der dritten Hütte deutet man unser Anliegen richtig und nein, man hat auch hier keinen Reis, aber Mangos und Kokosnüsse. Wir bekommen zwei Stühle in den Garten gebracht und die Großfamilie schaut uns vergnügt dabei zu, wie wir unseren Hunger stillen.

Kalabahi Alor

Leider machen so ein paar Mangos nicht richtig satt und nach mehr zu fragen, haben wir uns nicht getraut – und so steigen wir immer noch ein wenig hungrig auf unsere Roller und versuchen unser Glück vergeblich bei den zwei wilden Mangobäumen und einem kleinen Macadamia-Hain. Vergeblich, die Früchtchen sind noch nicht reif. Irgendwann kommen wir dann in ein Dorf, dass von der nord-ost Seite her gut erreichbar sein muss: es gibt einen Kiosk! Und der hat Instant-Nudeln! Nach einer gefühlten Ewigkeit hat man verstanden, dass wir sie gerne an Ort und Stelle verzehren würden und dafür heißes Wasser und einen Behälter bräuchten. Unter den Augen sämtlicher Kinder des Dorfes ist es dann so weit: wir werden satt!

Kalabahi Alor

Kalabahi Alor

Kalabahi Alor

Kalabahi Alor

Kalabahi Alor

Kalabahi Alor

Gut gefüllt und glücklich machen wir uns auf den Weg zurück nach Kalabahi, dabei die nord-ost Spitze der Insel umrundend. Wir genießen die immer wieder traumhaft schöne Aussicht und würden uns gern an dem ein oder anderen Strand oder Mangrovenwäldchen länger aufhalten. Doch die Zeit und nahende Dunkelheit im Nacken trauen wir uns nur kurze Pausen zu machen.

Alor

Alor

Unser nächster Ausflug geht nach Pantar, der zweitgrößten Insel im Alor-Archipel. Dort wollten wir eigentlich den Gunung Sirung, einen aktiven Vulkan erklimmen. In den Krater darf nur im Oktober, November oder Mai hinabgestiegen werden, da die Einheimischen fürchten, dass man die Götter erzürnen könnte. So würde bei einer damit einhergehenden Eruption die Reis- bzw. Cashewernte zerstört, was natürlich jeder vermeiden will. Auch wenn im November also keine Ernte auf dem Spiel steht, haben wir darauf verzichtet, den Vulkan zu erklimmen und uns eine schöne Zeit in und um Baranusa, dem größten Dorf auf der Insel, gemacht. Wir haben schon so viele spektakuläre Vulkane auf unserer Reise gesehen und sind ja auf dem Weg ins Land der Vulkane, dass wir auf den verhältnismäßig teuren Transport in die Nähe des Vulkans verzichtet haben. Mal ganz davon ab: das jemand hier so horrende Preise fordern könnten, haben wir auch einfach nicht bedacht und so hatte niemand genug Geld für den Rückweg dabei. Und der nächste Geldautomat steht über vier Stunden Bootsfahrt entfernt in Kalabahi… Dann also Baranusa! Hier unsere Eindrücke von dieser schönen Insel:

Pantar Alor

Pantar Alor

Pantar Alor

Pantar Alor

Pantar Alor

Pantar Alor

Alor

Pantar Alor

Pantar Alor

Pantar Alor

Wir treffen viele nette Dorfbewohner und werden von allen Seiten neugierig beäugt.

Pantar Alor

Pantar Alor

Die Kinder des Dorfes würden uns wohl gern folgen, dürfen sich aber vielleicht nicht so weit vom Dorf entfernen? Ein paar Jungs entdecken wir dann später aber doch zwischen den Büschen am Strand.

Pantar Alor

Auf dem Heimweg werden die Kinder zutraulicher und ich gehe ungewollt mit dem Geflügels auf Tuchfühlung.

Pantar Alor

Pantar Alor

Pantar Alor

Pantar Alor

Unser erster und einziger rosafarbener Reis! Auch hier haben wir übrigens keine Warungs oder Restaurants finden können… Bei dieser Familie wurde uns spontan im Flur ein kleines Esszimmer eingerichtet.

Pantar Alor

Pantar Alor

Pantar Alor

Am Abend finden wir dann etwas Essbares am Straßenrand: frittierte Bananen und so etwas wie Kartoffelpuffer mit Lauch und optionaler Chilisauce. Sehr lecker! Die Sauce landet aber vor allem auf Sani’s Schuhen statt auf unseren Puffern…

Pantar Alor

Wieder in Kalabahi angekommen, machen wir uns in dem Wissen, dass unser nächster Trip nicht in einem Tag zu bewältigen ist und es unterwegs keine Homestays, etc. gibt, auf den Weg den Osten Alors zu erkunden. Wo wir wohl schlafen werden? Ich hoffe auf ein Schulzimmer oder eine Kirche. Da sind sicher die wenigsten Kakerlaken, da dort nicht gekocht wird…

Alor

Alor

Unser Weg führt uns entlang der Küste und durch die Berge, vorbei an verwunschen wirkenden Wäldern und kleinen Dörfern. Da wir pro Pärchen nur einen kleinen Rucksack dabei haben, gehen uns unterwegs Wasser und Nahrung aus und da es mal wieder keine Läden o.ä. gibt, sind wir auf die Hilfsbereitschaft der Einheimischen angewiesen. Im Schatten der Hütte bringt man uns bestes Brunnenwasser. Die vielen Partikel, die darin schwimmen, versuche ich beim Trinken auszublenden… Ist zum Glück alles gut gegangen! Unsere Entkeimungstropfen hatten wir nämlich in Kalabahi vergessen.

Alor

Unsere Endstation: Das Dorf Maritaing im Osten der Insel. Auf der erneuten, langwierigen Suche nach Wasser finden wir nicht nur das, sondern auch eine Unterkunft für die Nacht! Nachdem wir mit Händen und Füßen unser Anliegen vorgebracht haben und belächelt wurden, dass man doch nicht in einer Kirche oder Schule schlafen könnte, beratschlagt man sich kurz und führt uns dann durch den Laden in das dahinter liegende Gebäude. Ich traue meinen Augen kaum: Im Lager stehen zwei Betten und eine Klimaanlage hängt an der Wand. Wer hätte damit gerechnet… Und es kommt noch besser: Reis, Eier und Instant-Nudeln gibt es mehr als wir essen können!

Alor

Alor

Die Ladenbesitzer sind unglaublich herzlich und kümmern sich rührend um uns. Wie schön es wäre, wenn wir eine Sprache sprechen würden! So vieles, was wir gerne Fragen würden! Unser Bilder-Wörterbuch erleichtert zwar die Kommunikation ein wenig, aber ein Gespräch entsteht so natürlich nicht… Am nächsten Morgen lernen wir Tochter und Schwiegersohn des Paares kennen, die mit Kamera ausgerüstet vorbei schauen (den Eltern sind Kameras suspekt) und wir werden noch einmal gut gefüttert, bevor wir uns auf den Weg zurück nach Kalabahi machen.

Alor

Alor

Dort zieht es uns zurück zu dieser traumhaft schönen Insel vor der Küste, die wir schon bei unserem ersten Ausflug von weitem sehen konnten. Obwohl es aussieht, als könnte man hinüber laufen, stellt sich unser Plan als zum Scheitern verurteil hinaus. Die Strömung zwischen den Inseln ist unglaublich stark und da wir der lieben Sicherheit wegen noch den Rückweg nach Kalabahi im Hellen bewältigen müssen, können wir nicht warten, bis der Wasserstand den tiefsten Punkt erreicht hat. Und überhaupt: wenn wir erstmal drüben sind, müssen wir ja auch noch genug Zeit haben, um vor Eintreffen der Flut wieder zurück zu kommen…

Alor

Alor

Da schnorcheln wir lieber auf unserer Seite der Meeresenge und beobachten die Fischer!

Alor

Alor

Alor

Insgesamt verbringen wir natürlich auch eine ganze Menge Zeit in Kalabahi. Man kennt uns am lokalen Kiosk, wo wir unseren Kakao beziehen, die Nachbarsfamilie reicht uns ihr Baby, wir ernten Wolle, lassen uns vom Karaoke-Fieber anstecken (okay, das ist wohl nur mir passiert…) und genießen den überall angebotenen frischen Fisch, den unsere Gastgeber im Cantik Homestay immer wieder in zauberhafte Gerichte verwandeln.

Alor

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3 Gedanken zu „Unterwegs im „Wilden Osten“ – Aloha Alor!“

    1. Wolfgang! Schön von dir zu hören und toll, dass dir unser Bericht gefällt. Da das Tauchen so wunderbar war, folgt in Kürze ein separater Bericht von unserer wunderbaren Insel.
      Ich hoffe es geht dir gut und du genießt den Schnee auf der Zugspitze 😉

  1. Wunderschöne Bilder. Vor allem die der Kids. Und zu sehen, was sie für einen Spass mit Euch hatten. Das Nachtlager der Überfahrt wäre auch meins gewesen…Lebenselixier Frischluft.
    Ich umarme Euch
    Mama

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