Yazd – die wohl schönste Wüstenstadt im Nahen Osten!

Zufall, Schicksal oder Glücksfall? Ich frage mich manchmal, wie wir Yazd erlebt hätten, wären wir nicht einen Tag eher aus Shiraz abgereist oder hätte unser Bus keine Verspätung gehabt…

In Yazd angekommen treffen wir Mohammad am Busbahnhof. Er unterbricht unsere Preisverhandlungen mit den Taxifahrern (bei der Inflation stimmt kein Preis im Reiseführer und in solchen Situationen sind wir uns nie ganz sicher, ob wir gerade über den Tisch gezogen werden oder ein gutes Angebot bekommen) und bietet an, uns mit in die Stadt zu nehmen. Auf dem Weg zu unserer Unterkunft kommen wir ins Gespräch und beschießen noch zusammen Mittag zu essen. Aus diesem Mittagessen wurde mehr – wir zogen nicht wie geplant ins Silk Road Hotel, sondern verbrachten fünf wundervolle Tage mit Mohammad, seiner Frau Mahboubeh und der kleinen Anita.

Tausend Dank für eure Gastfreundschaft und alles, was wir mit euch erleben durften – wir haben die Zeit mit euch wirklich sehr genossen, einen riesen Spaß gehabt und uns am Ende gefühlt, als seien wir ein Teil eurer kleinen Familie! خیلی ممنون!

Als erstes machten wir uns auf den Weg, die Stadt zu erkunden – unser Reiseführer empfiehlt zu diesem Zweck die Walking Tour „Getting lost in Yazd“. Mohammad stattet uns noch mit einer Karte auf Farsi aus, notiert seine Adresse und markiert die nächstgelegene Kreuzung, den Markar Square: der geografische Mittelpunkt des Iran! Das sollte doch wieder zu finden sein…

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Unser Weg führt durch schmale, geheimnisvoll verschlungene, jahrtausendealte Gassen und durch z.T. wie ausgestorben wirkende Viertel. Wir schauen mal in diesen Innenhof, erklimmen mal jene Stiege oder schauen noch schnell, wohin der nächste Bogengang wohl führt – und da ist es passiert: wir haben uns verirrt! Das soll uns in den nächsten Tagen noch häufiger passieren… – an jeder Ecke wartet etwas Neues, Unbekanntes und so kommen wir häufiger vom Weg ab und entdecken eine verwunschen und verzaubert wirkende Ecke nach der anderen.

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Wir besichtigen das wohl beste Wassermuseum des Irans (unglaublich, wie ausgefeilt das Bewässerungssystem durch die Qanats schon vor Jahrtausenden war… – und sie werden z.T. noch heute genutzt!), kosten die speziell zu Ramadan angerfertigten Süßigkeiten (Mehallebi & Halawet Huntta) in der bekanntesten Bäckerei der Stadt und besuchen einen, in einem alten Wasserreservoir untergebrachten Zurkhaneh Club, in dem eine traditionelle Form des Kraftsports, Varzesh-e Bastani, prakitiziert wird.

Mit zwei Belgiern machen wir einen Ausflug zu den Ruinen von Kharanaq, der Zoroastrier Pilgerstätte Chak Chak und nach Meybod, wo wir neben dem alten Fort, auch die Karavanserei, das Eishaus und ein Taubenhaus, das der Gewinnung von Dünger diente, besichtigen.

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Am Tag drauf geht es noch zu den Türmen des Schweigens, wo die Zoroastrier Fleisch und Weichteile der Verstorbenen von Vögeln fressen ließen bis diese Praxis in den 70er Jahren verboten wurde; und zum Feuertempel der Zoroastrier, dessen Flamme den Erzählungen nach bereits mehr als 1500 Jahre ununterbrochen brennt.

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Wir verbringen auch viel Zeit mit unserer kleinen Gastfamilie – unterhalten uns daheim über Gott und die Welt mit Mahboubeh und Mohammad,verbessern unser Farsi, spielen mit Anita oder machen des Nachts Ausflüge mit ihren Freunden. Ob Kunstgalerie, Picknick, Wüstenspaziergang oder Besichtigung eines noch intakten Qanat – auch hier geht natürlich nichts vor 22 Uhr! So langsam hat sich meine biologische Uhr aber daran gewöhnt… Mahboubeh ist Künstlerin und verkauft ihre Designs bis nach Europa. Weiter unten sehr ihr ein paar Bilder unseres gemeinsamen Projekts! Vielen Dank für dieses خوشگل Tuch!

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4 Gedanken zu „Yazd – die wohl schönste Wüstenstadt im Nahen Osten!“

  1. Wir wären sooo gern in Eurer Runde dabei gewesen…
    Bei Mahboubeh’s Kunstwerken „juckt es mir gleich in den Fingern“, ich werde es ausprobieren.
    Die Fotos sagen Alles. Der Iran ist eine Reise wert.
    Umarmen Euch ganz fest.
    Heike + Heio

  2. Hi ihr beiden,
    euer Bericht ist wieder einmal so toll und begeisternd. Und irgendwie wird auch mein Horizont erweitert obwohl ich nur zu Hause an meinem Schreibtisch sitze. Wo seid ihr eigentlich nächste Woche zum Ende des Ramadan? Das wird doch sehr intensiv gefeiert, oder?
    Ganz liebe Grüße, Kik

  3. Der Iran ist auf jeden Fall eine Reise – vielleicht auch zwei – wert! Wir wollen auf jeden Fall noch einmal wieder kommen! Vielleicht dann aber eher im Frühjahr! 😀 Wir werden zum Ende des Ramadan wahrscheinlich noch in Rajasthan sein, vermutlich in Jaisalmer… Wir müssen mal googeln, wie hoch da der Anteil an Muslimen in der Bevölkerung ist! 🙂

    Liebe Grüße nach Deutschland!

  4. Hallöle ihr zwei ,könnt noch jede Menge Bilder und Kommentare schicken,mama plant schon den nächsten Urlaub,grins.Begeisterung pur.Bis zu den nächsten Bildern! Tschau.

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